Tuesday, December 18, 2018

“He’s got the whole wide world in His hands”

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Das Unkraut und der Weizen
 
Predigt von Duurt Sikkens
 
Ich möchte einige Gedanken über ein sehr bekanntes Gleichnis aus Matthäus 13, 24-30 besprechen.

(Basisbibel) Jesus erzählte der Volksmenge noch ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie bei einem Bauern, der auf seinen Acker guten Samen aussäte. Als alle schliefen, kam sein Feind. Er säte Unkraut zwischen den Weizen und verschwand wieder. Der Weizen wuchs hoch und setzte Ähren an. Da war auch das Unkraut zwischen dem Weizen zu erkennen. Die Feldarbeiter gingen zum Bauern und fragten ihn: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut auf dem Feld? Er antwortete ihnen: Das hat mein Feind getan. Die Arbeiter sagten zu ihm: Willst du, dass wir auf das Feld gehen und das Unkraut ausreißen? Aber er antwortete: Tut das nicht, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus! Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Dann werde ich den Erntearbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut ein! Bindet es zu Bündeln zusammen, damit es verbrannt werden kann. Aber den Weizen bringt in meine Scheune.

Einige Bemerkungen dazu. Ein Gleichnis vermittelt himmlische Dinge in irdischen Bildern. Das ist alles: himmlische Dinge in irdischen Bildern. Der sät, der ist Jesus. Er ist der Säemann. Aber was ist der Samen? Der Samen ist das Wort Gottes. Wenn dieses Wort auf dem Boden deines Herzens aufsprießt, bekommt es eine Gestalt, dann wird es Fleisch und Blut in deinem Menschsein. Der Inhalt des Samens ist z.B. Güte, Barmherzigkeit (im Samen befindet sich alles, ich nenne nur ein paar Eigenschaften) Freundlichkeit, Empathie und andere Eigenschaften, und diese bilden sich in dir aus, sie wachsen: So wirst du. Eigentlich hast du dadurch Teil an den Christus, denn er ist gut, barmherzig, freundlich, etc. Wenn der Samen fällt, wirst du ein Kind Gottes.

In 1. Mose wird vom Samen der Frau gesprochen. Eine Frau hat keinen Samen, trotzdem steht da: Samen der Frau. Hier werden die Nachkommen gemeint, die Nachkommen der Frau. Zu diesem Ziel muss sie befruchtet worden sein. Ihr Mann ist Jesus, der ist ihr Ehepartner. Der sät auf dem Acker. Was ist der Acker? Der Acker ist das Herz der Menschen. Falls der Samen auf dem Boden, ins Herz fällt, kann er sprießen. Während die Menschen schliefen, kam der Feind. Nachts, in der Dunkelheit, übersät er den Acker. So steht es im Griechischen. Was ist das, was vom Feind gesät wird? Im Griechischen steht: sisanion. Es bedeutet Lolch, auch Raigras genannt, zur Gattung der Süßgräser gehörend. Die Rabbiner nannten es entarteter Weizen, weil es nicht der wahren Art des Weizens entspricht. Die Bauern und auch die einfachen Menschen in Galiläa, wo dieses Gleichnis erzählt wurde, waren mit diesem Lolch bekannt. Im Lateinischen heißt es lolium, was mit Schwindelhafer übersetzt werden kann. So ist bekannt, dass es einem schwindlig werden kann, wenn man davon isst, schwindlig, wie betäubt. Man sollte es nicht essen, man kann kein Brot daraus backen. Gefährlich ist es. Jesus sagt, dass es die Kinder des Bösen sind. Hat der Böse dann auch Kinder? Sicherlich, denn er ist ein Vater, der Vater der Lüge. Wenn der Weizen und der Lolch aufsprießen, sieht man den Unterschied nicht. Es ist alles vermischt. Das heißt, dass auch die Falschen freundlich sind und nett, anständig und geduldig und all die anderen Eigenschaften haben. Anders würden sie sich ja sofort von den Kindern Gottes unterscheiden. Dem ist nicht so. Es sind freundliche Menschen, ganz nette. Die Jünger Jesu sahen auch nicht, dass Judas ein Kind des Teufels war. Der wurde vom Teufel zwischen den Zwölfen gesät. Er fiel nicht auf in seinem Verhalten. Nur beim letzten Mahl haben die Jünger bei Jesus nachgefragt und Jesus hat es gesagt. Er war ein Kind des Teufels, von Anfang an hat Jesus es gewusst. Jesus konnte scharf unterscheiden, dass dieser Samen nichts taugte. In Joh. 6, 70 sagt Jesus den Jüngern: Und von euch ist einer ein Teufel. Damit war klar, wessen Kind er war. Er sagte es nicht den Menschenmengen, in der Art: Mit dem Judas kann ich nichts anfangen. Stell dir vor, Jesus hätte Judas weggeschickt, quasi als Unkraut weggeworfen. Dann hätten bestimmt die anderen Jünger verständnislos reagiert. Vielleicht wären ein oder sogar mehrere Jünger mit Judas weggegangen. Das hieße, dass mit dem Unkraut auch Weizen gejätet gewesen wäre. Das sollte man vermeiden. Nein, in einer Gemeinde wird nicht gejätet, sprich, man schickt keinen weg. Das ist verboten.

In Joh. 8, 44 sagt Jesus den Pharisäern: Euer Vater ist der Teufel. So was! Sie hatten eine theologische Ausbildung, wussten alles vom Alten Testament, konnten die Bücher des Mose auswendig und dann: Euer Vater ist der Teufel. Und ihr tut nur zu gern, was euer Vater will. Vom Anfang an war er ein Mörder. Er gehört nicht zur Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er lügt, dann spricht er nach seiner Art: ein Erzlügner ist er, der Vater der Lüge. Deutlicher konnte Jesus es nicht sagen. Ein Mörder war er und das stimmt, denn sie haben Jesus ermordet. Manchmal hat Jesus gesagt: Ihr sucht mich zu töten. Wieso, ist die Antwort. Aber geschehen ist es. Und wie viele andere Jünger sind durch Gewalt umgekommen! Der Teufel zum Vater. Das Wort Lüge hat mit dem Wort pseudo zu tun, fast wie echt. Die Unterscheidung ist schwierig, wie die beim Weizen und beim Unkraut. Paulus nennt die Lüge den Geist der Verirrung, den Geist des Antichristen. Antichrist heißt Gegenchrist, nicht alleine, dass er gegen Christus ist, sondern auch, dass er Christus ersetzen will. Ein Gegenkandidat, sozusagen. Der möchte langsam aber sicher die Stelle, die Christus in dir hat, besetzen. Jesus weg und er präsent. Es ist also sehr wichtig, dass du deine Ohren und Augen öffnest und kritisch unterscheidest. Der Gegenkandidat benutzt dieselben Wörter wie wir: Seligkeit, Herrlichkeit, Freundlichkeit, Unterscheidung, etc.

Im 2. Joh. Brief Vers 7 steht etwas Merkwürdiges: Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen. Hast du schon mal welche gesehen? Hast du die schon mal gehört? Oder bist du taub geworden? Da steht: Viele. Hörst du sie? Nochmals Vers 7: Es sind die, die nicht Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennen. Im Griechischen steht allerdings nicht gekommen, sondern kommende. Jetzt müssen wir scharf nachdenken. Es geht darum, dass diese Verführer nicht bekennen, dass Jesus Christus ins Fleisch kommt, das heißt, in uns kommt. Jeder, der an die Wiederkunft Christi denkt, sieht eine Wolke und Blitze und hört Donnergeräusche. Es gibt die merkwürdigsten Vorstellungen. Es ist jedoch anders: Jesus kommt zurück in uns. Nicht mit viel Getue, sondern still und leise. Und der Geist, der dies verneint und lächerlich macht, der ist der Geist des Antichristen. Johannes schreibt: in uns kommend. Und was lesen wir im Buch der Offenbarung über Gott und Jesus? Folgendes: Selig der Frieden empfängt von ihm, der war und der kommt. Jesus kommt noch. Er war immer, in den Gedanken des Vaters. Er ist im Fleisch von Jesus Christus geoffenbart worden und er kommt noch ein Mal. Kannst du das sehen? Auch in den anderen? Jesus ist dabei zurückzukommen. Im griechischen steht da das Wort ergomenon, das öfters mit Rückkehr übersetzt wird. Schön, dass wir daran teilhaben werden.

Wir wollen das Gleichnis weiter verfolgen. Die Feldarbeiter gehen zu ihrem Herrn, alsbald sie sehen, dass die Frucht sich setzt. Was heißt dies? Es heißt, dass offenbar wird, welcher Samen gesät wurde. Sie sehen die Frucht der Weizenkörner und sie sehen die Frucht der Körner des Lolchs. Erst dann wird ganz deutlich, dass etwas nicht stimmt. Die Feldarbeiter fragen: Was hast du gesät? Dein Samen war doch in Ordnung? Woher dann dieses Unkraut? Ja, sagt der Säemann, ein schlechter Mensch, mein Feind, hat es getan. Wollen wir jäten, fragen die Arbeiter. Nein, ist die Antwort, lass es werden. Was für einen Glauben, um das Unkraut nicht zu jäten. Jäten würde zu gefährlich sein: man würde den guten Weizen vielleicht mit herausreißen oder auch kaputt treten. Lass aufwachsen, die Weizenähren und die Ähren des Lolchs werden gemeinsam reif werden und dann werden die Unterschiede überdeutlich. Die Lüge bekommt eine Gestalt, eine Gestalt in dem Lolch. Welche Lüge ist dies? Liebe Leute, wenn du die Wahrheit kennst, dann musst du wissen, was die Lüge ist. Sie ist so alt wie die Welt, die Menschheit wurde mit ihr verführt: Wie Gott sein wollen! Welcher Gott dann wohl? Nach der Aussage des Teufels: wissend um Gutes und Böses. Da stimmt schon etwas nicht: Gutes und Böses gehen nie zusammen. Wenn ich einen Eimer frischen Wassers habe und ich füge einige Tröpfchen Chlor dazu, wird niemand es trinken wollen. Das Wasser ist schlecht geworden. Den Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem kennt jeder. Aber der Name taugt nicht! Es ist entweder gut oder böse. Der Baum hat diesen Namen, weil er gut zu sein scheint, seine Frucht ist begehrenswert, um dadurch Erkenntnis zu gelangen. Verführerisch! Aber, wenn man von seiner Frucht isst, stirbt man geistlich. Adam und Eva sind nach dem Essen nicht tot umgefallen, sondern geistlich gestorben. Das Gift tut seine Wirkung und führt zu Sünde und Tod. Das ist die große Lüge: wie Gott sein wollen. Übrigens sprießt das Unkraut zu allererst. Hast du einen Garten? Schau mal hin. Das Unkraut ist zuerst da, dann kommt das Andere. Und der Lolch steht gerade zwischen den Weizen und überragt den Weizen. Was macht der Weizen, wenn er wächst, die Ähre ausbildet und die Körner sich setzen? Er biegt sich. Die schwerste Ähre biegt sich am Tiefsten und der Lolch steht kerzengerade daneben. Dass das Unkraut zuerst da ist, bedeutet, dass der Antichrist sich zuerst offenbart. Paulus bemerkt, dass er an sich sehen lässt, dass er Gott ist. Gott ist mit uns. Schau her zu uns, bei uns geschehen große Wunder und Zeichen. Das sind die Slogans. Es sind trügerische Wunder und Zeichen, sagt Paulus. Menschen sind sehr empfänglich für Wunder und Zeichen. Da will man dabei sein und daran teilhaben! Menschen sind neugierig und wollen wissen, was los ist. Wir müssen unterscheiden, dass wir nicht überall dorthin gehen, wo herausposaunt wird: Hier geschieht es. Hier sind die Wunder und Zeichen, auf denen die Welt wartet. Pass auf: es ist eine Show! Paulus sagt, dass es der Mensch des Abfalls ist, der es an sich zeigt. Johannes sagt in 1. Joh. 2, 19: Sie sind von uns ausgegangen, sie gehörten allerdings nicht zu uns. Sie sind nicht weggeschickt worden, sondern sie sind selbst herausgegangen. Das heißt ernten. Die Engel tun das. Sie trennen Unkraut und Weizen ohne den Weizen zu beschädigen, bündeln das Unkraut und verbrennen es. Sie waren nicht unser, sie hatten nicht unsere Gedanken. Also nicht jäten, nicht jemanden aus der Gemeinde entfernen. Es könnte sein, dass Kinder Gottes mit entfernt werden. Judas wurde nicht weggeschickt. Aber was ist in den Jahrhunderten nicht passiert. Sobald die Kirche die Macht hatte, wurden die Christen zu Gehorsam erzogen. Der Priester hatte den speziellen Zugang zu Gott und was er sagte, war göttlich. In den ersten Briefen der apostolischen Väter können wir schon darüber lesen. Damals schon wollten Menschen Macht ausüben über ihre Mitmenschen, sie wollten Gehorsam einfordern. Das wurde mit der Zeit nur schlimmer: Es wurden Ämter erfunden und der Geist verschwand. Es entstand diese Pyramide der Hierarchie. Eine Person an der Spitze, dann wichtige Amtsinhaber in verschiedenen Schichten und zu guter Letzt das dumme Volk. Du brauchst die Bibel nicht zu lesen, das macht der Priester schon. Und die Priester fingen an zu jäten: Du musst heraus und du auch! Du bist ein Ketzer! Es wurde die Inquisition eingerichtet, die untersuchen sollte, was richtig war oder falsch. Viele Ketzer sind verbrannt worden oder anderswie ermordet, weil sie etwas Gutes suchten. Ermordet, ertrunken, Tausende von ihnen. Es ist eine Blutspur in der Geschichte. Das Wort Ketzer kommt von catharsis, das heißt Reinigung, Läuterung. Diese Menschen haben sich in unzugängliche Gebiete zurückgezogen, weil sie verfolgt wurden. Aber sie probierten, auf ihre Art rein zu leben. Schrecklich die Schrecken der Inquisition, diese Geschichte. Lasst uns nicht zu lange bei diesen Schrecken stehen bleiben. In Zukunft werden sie allerdings vermehrt auftreten.

Zurück zum Gleichnis. Das Unkraut überragt den Weizen und da ist der Pointe: Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. In Jes. 14, 13 steht: Und du, du sagtest in deinem Herzen: Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg. Das ist eine Aussage des Teufels, auch des Antichristen. Die Sterne Gottes sind die Gläubigen. In unserer Gemeinde war mal ein Bild: Eine Person hatte einen leuchtenden Kristall in seinen Händen. Als er seine Hände öffnete, schwebten Kristalle davon und wurden zu Sternen. Ein wunderbares Bild von uns. Du bist ein Stern im Königreich Gottes. Ich wohne auf den Gipfeln des Versammlungsberges, wo die Götter zusammenkommen. Ich steige hinauf über die Wolken und bin dem Allerhöchsten ebenbürtig. Das ist wohl eine dreiste Aussage von Lüge!

Jetzt die Frage an dich und an mich: Willst du hinaufsteigen oder hinabsteigen? Das ist für mich der Angelpunkt des ganzen Evangeliums. Willst du hinaufsteigen, bist du eine Kletterpflanze. Willst du hinabsteigen, bist du eine Hängepflanze. Eine Hängepflanze hat ihre Wurzeln oben und lässt ihre Schönheit unten sehen. So offenbart der Vater sich in Menschen, in Jesus, der hinabgestiegen ist. Jesus hatte das Königreich Gottes in sich. Und wir, im Himmel erzogen und ausgebildet, steigen hinab und zeigen der Welt Gottes Königreich. Deswegen werden wir das Licht der Welt genannt. Nicht das Licht der Himmel, sondern das Licht in der Welt, wo es scheint. Was willst du: hinaufsteigen oder hinabsteigen? Hinabsteigen als Licht von oben nach unten, wie Regen. Ein schönes Lied von Mose sagt: meine Lehre tropfe wie der Regen. Es geht um die Lehre des Himmelreiches. Dann kannst du dich in der Welt sehen lassen und Gottes Demut auf Erden offenbaren. Wie Jesus sagte: lerne von mir, dass ich sanftmütig und demütig bin, so wie mein Vater sanftmütig und demütig ist. So kannst du es auch machen. Bitte denkt mal darüber nach. Amen.
 
Gebet:
Vater, lehre uns deine Demut und lehre uns, das zu glauben, was du glaubst. Du glaubst an uns einfachen Menschen und in diesen Menschen bekommt dein Königreich Gestalt. Lehre uns die Entwicklung der Dinge ihren Lauf zu lassen, in dem wir auf deinem schönen Königreich gerichtet sind. Amen.